Michael Järnecke

Buch Kunst Objekt Fotografie

Kurz vor dem Verschwinden

Feldscheunen und Viehunterstände im Elbe-Weser-Raum
Eine Feldforschung

Scheune - Bild 3 Scheune - Bild 4 Scheune - Bild 5 Scheune - Bild 6 Scheune - Bild 7 Scheune - Bild 8

Bilderschau

 

Medien

Analoge Großformat-Fotografie zur künstlerischen Manifestation

Digitale Fotografie zur Erfassung und Dokumentation

Aufmaß und archtektonsiche Bescheibung

 

Erzählte Geschichte, die Funktion dieser Gebäude und ihre Einodrnung in die Epoche

 

Exkursionen zur “Romantik” der Ruine in der Kunstgeschichte

 

Exkurs

Es droht ihnen nicht eigentlich der Abriß, ihre alten Funktionen werden einfach nicht mehr nachgefragt.

Noch sind sie Sammelplatz für Dinge, von denen ihre Besitzer nicht wissen, wohin damit, hauptsächlich altem landwirtschaftlichen Gerät. Wenn ich über Land fahre, folgen meine Augen diesen kleinen Gebäuden wie Inseln aufgegebener landwirtschaftlicher Aktivitäten. Sie liegen da, still, verwunschen, eingesponnen in die Kulturlandschaft. Welcher Epoche gehören diese randständigen landwirtschaftlichen Gebäude an? Welche ländliche Wirtschaftsweise begründete ihr Dasein und das Zusammenleben der Menschen in den Dörfern? Ich suche nach dem Zeitpunkt, der Zäsur, von wann an man auf dem Land von einer anderen, neuen Zeit sprechen konnte.

Die Wurzeln dieses Wandels gehen zurück in die Nachkriegszeit. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts begann eine technische und eine soziale Modernität Einzug auf dem Lande zu halten, nicht mehr begründet in den Jahreszeiten, dem Viehaustrieb, der Fruchtfolge, sich nicht ewig wiederholend wie das Wiederkäuen des Rindes. Dieser Prozeß war in den 80er / 90er Jahren des letzten Jahrhunderts abgeschlossen. Die friedliche Akkumulation von Ökonomie und Technik hatte einen radikaleren Wandel auf dem Lande zur Folge, wie es zuvor zwei Weltkriege nicht bewirkt hatte. Unter unseren Augen hat sich ein Leben radikal verändert.

Diese verlassenen Hütten und Unterkünfte für Vieh, Gerätschaften und Landstreicher sind unscheinbare Erinnerungsstücke in der gepflegten Kulturlandschaft.

Spanne ich den Assoziationsbogen weit genug, sind es kleine Ruinen. Die Ruine ist ein romantisches Motiv in der Malerei durch die Jahrhunderte. Sie weist auf Goldene Zeitalter zurück. Aber diese Feldscheunen und Viehunterstände wecken keine romantischen Reminiszenzen. In ihrer Unscheinbarkeit werden sie als Teil der Landschaft wahrgenommen. Aber als Überbleibsel einer anderen Zeit weisen sie überdeutlich auf die sichtbaren Veränderungen der Gegenwart hin. Eingewachsen in die Landschaft wirken sie in ihrer Verlassenheit oder Selbstaufgabe nie desolat und haben im Lauf der Zeit einen Eigensinn entwickelt, der sie daraus hervorhebt. Vor Zeiten relativ schnell und preisgünstig errichtet, oft aus Abrißmaterialien, hatten diese Unterstände zu ihrer Zeit etwas Nomadisierendes wie Hütten, die man dort abbaut und hier wieder aufbaut. Jetzt wirken sie wie verwurzelt mit der Landschaft.

In ihrer Klein-Dimensioniertheit sind es Kleinode. Geht man dicht genug an sie heran, zeigen sie eine seltsame architektonische Monumentalität.

Und jedes dieser kleinen Gebäude hat eine Geschichte, die auf einen größen Zusammenhang verweist.

 

Michael Järnecke